Nationalrat verlängert Wohnschirm: Diese Hilfe bekommen Mieter in Not

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Nationalrat verlängert Wohnschirm: Diese Hilfe bekommen Mieter in Not

Der Nationalrat hat die Schutzmaßnahme für einkommensschwache Mietende bis 2029 verlängert. Seit Einführung des sogenannten Wohnschirms im Jahr 2022 wurden nach Angaben von Sozialsprecher Josef Muchitsch rund 16.000 Delogierungen und Wohnungsverluste verhindert. Betroffene Haushalte können die Hilfe damit weiterhin nutzen, wenn Mietrückstände drohen.
Das Programm ergänzt bestehende Beratungsangebote der Bundesländer. Wie solche Modelle in der Praxis wirken, zeigen Beispiele aus Niederösterreich und Oberösterreich, die seit Jahren auf frühzeitige Beratung statt auf Gerichtsverfahren setzen.
Wie viele Menschen hat der Wohnschirm bisher geschützt?
Laut Muchitsch halfen die Maßnahmen bundesweit bereits rund 40.000 Menschen , davon war etwa ein Drittel Kinder und Jugendliche. Parallel wird die Schulstarthilfe fortgeführt, die Sozialhilfehaushalten zweimal jährlich 150 Euro je Kind als Sachleistung bringt.
Ein vergleichbares Ergebnis liefert die Arbeitsgemeinschaft Wohnungssicherung in Niederösterreich. Der 2006 von fünf sozialen Trägern gegründete Zusammenschluss, darunter die Caritas der Erzdiözese Wien und die Caritas der Diözese St. Pölten, sicherte nach eigenen Angaben in 20 Jahren etwa 14.000 Wohnungen und bewahrte damit rund 40.000 Menschen vor Delogierung. Finanziert wird das Angebot vom Land Niederösterreich und die Beratung ist für Betroffene kostenlos und vertraulich.
Wie läuft die Beratung bei drohendem Wohnungsverlust ab?
Nach Angaben von Patricia Grünauer von der Arbeitsgemeinschaft zählen Trennungen, Jobverlust und gesundheitliche Probleme zu den häufigsten Auslösern für Mietrückstände. Am Anfang der Beratung steht die Ursachenklärung, anschließend folgen Vermittlungsgespräche zwischen Mietpartei und Vermieter sowie eine rechtliche und finanzielle Unterstützung.
Betroffene können sich selbst an die jeweilige Beratungsstelle wenden, häufig erfolgt der Kontakt aber über soziale Einrichtungen, Vermieter oder Gemeinden. Entscheidend für eine Lösung ist laut Grünauer vor allem eine frühzeitige Kontaktaufnahme, bevor ein Verfahren vor Gericht eingeleitet wird.
Wie viel Geld bringt die Hilfe in der Praxis?
Wie viel Unterstützung möglich ist, zeigt ein Pilotprojekt des Landes Oberösterreich in den Regionen Innviertel und Salzkammergut. Ein Mehrpersonenhaushalt kann dort bis zu 2.000 Euro pro Jahr erhalten, ein Einpersonenhaushalt bis zu 1.200 Euro. Von diesen Summen dürfen bis zu 50 % als nicht rückzahlungspflichtige Unterstützung gewährt werden, der Rest läuft als zinsloses Darlehen.
Für einen Mehrpersonenhaushalt bedeutet das rechnerisch: Bis zu 1.000 Euro muss die Familie nicht zurückzahlen, bis zu weiteren 1.000 Euro erhält sie als Darlehen ohne Zinsen. Bei einem Einpersonenhaushalt liegt der nicht rückzahlungspflichtige Anteil bei bis zu 600 Euro.
Im Innviertel ging das Land für 2021 von einem Finanzierungsbedarf von etwa 100.000 Euro aus. Davon übernahm das Land selbst 48.000 Euro, die restlichen 52.000 Euro steuerte die Caritas für Menschen in Not bei.
Im Salzkammergut lag der erwartete Bedarf bei rund 84.000 Euro, aufgeteilt auf 40.000 Euro vom Land und 44.000 Euro vom Verein Mosaik. Zuvor mussten Träger der Delogierungsprävention laut Land Oberösterreich für jeden Einzelfall Geld aus mehreren Quellen einzeln zusammentragen, was mit hohem Verwaltungsaufwand verbunden war.
Was können Mieter in Not jetzt tun?
- Bei den ersten Mietrückständen möglichst sofort eine Beratungsstelle für Wohnungssicherung kontaktieren.
- Offene Gespräche mit dem Vermieter suchen, um eine außergerichtliche Lösung zu ermöglichen.
- Rechtliche und finanzielle Beratung in Anspruch nehmen, bevor ein Gerichtsverfahren beginnt.
- Prüfen, ob regionale Fördermodelle wie in Oberösterreich zusätzliche finanzielle Unterstützung bieten.
Für die Sozial-Landesrätin Oberösterreichs ist absehbar, dass die Zahl der Haushalte mit Mietrückständen steigen wird. Nach der einjährigen Pilotphase soll das Fördermodell evaluiert werden, bevor über eine Ausweitung auf ganz Oberösterreich entschieden wird.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.








