Netzentgelte für Strom: Warum hohe Verbrauchsspitzen ab 2027 teurer werden

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Netzentgelte für Strom: Warum hohe Verbrauchsspitzen ab 2027 teurer werden

Ab dem 1. Januar 2027 gilt in Österreich eine neue Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung, mit der die E-Control die Netzentgelte für Strom grundlegend umbaut. Langfristig sollen dadurch rund 300 Millionen Euro an jährlichen Netzkosten eingespart werden. Für Haushalte bedeutet das vor allem eines: Wer Strom zeitgleich mit vielen anderen verbraucht, zahlt künftig mehr.
Arbeitspreis und Leistungspreis werden künftig je zur Hälfte gewichtet
Bisher richten sich die Netzentgelte fast ausschließlich nach der verbrauchten Strommenge. Künftig soll sich das Verhältnis zwischen Arbeitspreis und Leistungspreis über alle Netzebenen schrittweise auf einen Zielwert von jeweils 50 % einpendeln.
Der Leistungspreis orientiert sich dabei am höchsten gemessenen Viertelstundenwert eines Kalendermonats. Das Gesamtaufkommen für die Netzkosten bleibt laut der Verordnung gleich, nur die Verteilung auf die einzelnen Netznutzer ändert sich.
10 Kilowatt sind die Grenze, ab der es teurer wird
Auf der untersten Netzebene wird die leistungsabhängige Komponente zweistufig ausgestaltet, mit einem Schwellenwert von 10 Kilowatt. Bestehenden Kunden werden zunächst 10 kW netzwirksame Leistung zugeordnet.
Für alles, was darüber liegt, wird ein höherer Tarif fällig. Laut dem E-Control-Vorstand Alfons Haber begründet sich die Neuregelung mit der Verursachergerechtigkeit: Gleichzeitige Leistungsspitzen gelten als Hauptkostentreiber beim Netzausbau.
Rechenbeispiel: 12 Kilowatt Verrechnungsleistung zeigt den Unterschied
Ein Haushalt mit einer Verrechnungsleistung von 12 kW zahlt für die ersten 10 kW den niedrigeren Tarif und nur für die restlichen 2 kW den höheren Satz. Betroffen sind vor allem Haushalte mit Wallbox und Wärmepumpe, die gleichzeitig hohe Lasten ziehen.
Wallboxen mit einer maximalen Leistung von 11 kW lassen sich laut Haber bewusst drosseln, um die Leistungsspitze und damit die Kosten zu senken. Konkrete Eurobeträge für die neuen Tarife legt die E-Control erst im Herbst 2026 fest, weshalb sich die tatsächliche Kostenwirkung derzeit noch nicht beziffern lässt.
Haushaltskunden erhalten eine Übergangsfrist für den Leistungspreis
Für Haushaltskunden und kleine Gewerbebetriebe ist eine Übergangsfrist bei der Einführung des Leistungspreises vorgesehen. Wer 2026 Leistungsspitzen über 10 kW hatte, muss dafür keine Nachzahlungen fürchten. Netzbenutzer können zudem selbst bestimmen, wie sie den Anteil an garantierter und flexibler Leistung aufteilen; eine Einschränkung der Stromnutzung durch den Netzbetreiber darf höchstens zweimal zwei Stunden pro Tag vorkommen.
Nachtstrom und Speicher werden günstiger
Wer Strom in verbrauchsarme Zeiten verlegt, profitiert von reduzierten Arbeitspreisen. Der bereits eingeführte Sommer-Nieder-Arbeitspreis gilt von April bis September zwischen 10 und 16 Uhr und bringt einen Rabatt von 20 % auf den Netz-Arbeitspreis. Ab Oktober 2027 kommt der Winter-Nieder-Arbeitspreis hinzu, der von 23 bis 5 Uhr in den Monaten Oktober bis März gilt.
Für systemdienliche Speicher plant die E-Control ein österreichweites Kontingent von 5 Gigawatt, das von Netzentgelten befreit werden kann; Speicherprojekte müssen dafür bis Ende 2030 in Betrieb gehen. Auch Photovoltaik-Haushalte mit steuerbarem Speicher sollen einen Netzrabatt erhalten.
Was die Reform für Haushalte in der Praxis bedeutet
Für Mieter und Eigentümer mit durchschnittlichem Verbrauch dürfte sich an der Stromrechnung wenig ändern, da sie selten über die 10-Kilowatt-Grenze kommen. Haushalte mit Elektroauto, Wärmepumpe und PV-Speicher sollten dagegen ihr Lastmanagement überdenken, um Leistungsspitzen zu vermeiden.
Die Begutachtung der Verordnung lief bis 24. Juli 2026, die E-Control will sie spätestens im Oktober 2026 erlassen und die konkreten Tarifhöhen im Herbst 2026 festlegen.
- Wallbox- und Wärmepumpenleistung so timen, dass sie nicht gleichzeitig auf Volllast laufen.
- Verbrauch möglichst in die vergünstigten Nachtstunden oder die Mittagsstunden im Sommer verlagern.
- Bei geplanter PV-Anlage prüfen, ob eine steuerbare Kombination mit Speicher den Netzrabatt ermöglicht.
- Vor größeren Anschaffungen wie Wallbox oder Speicher die eigene maximale Leistung im Blick behalten.








