Arbeiterwohnungen im 19. Jahrhundert: Acht Quadratmeter für eine ganze Familie

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Arbeiterwohnungen im 19. Jahrhundert: Acht Quadratmeter für eine ganze Familie

Arbeiterwohnungen in den Industriestädten des 19. Jahrhunderts boten vielen Familien kaum mehr als ein einziges Zimmer. In Wien lebten Arbeiterfamilien mit zwei bis drei Kindern auf einer Fläche von rund acht Quadratmetern, die zugleich als Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche dienten.
Wie ein Lexikoneintrag zur baulichen Anlage von Arbeiterwohnhäusern festhält, sollte jede Arbeiterwohnung eigentlich mindestens drei Räume umfassen: Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche.
In einzelnen Industriegegenden kamen Arbeiterfamilien jedoch nur mit zwei Räumen aus, wobei die Wohnstube gleichzeitig zum Kochen genutzt wurde. Ein Beitrag aus dem Jahr 1888 beschreibt zudem, dass die beengten Wohnverhältnisse der Gesundheit schadeten und als sittlich bedenklich galten.
Wie viel Platz hatte eine Arbeiterfamilie?
Für die Küche einer Arbeiterwohnung wurde ein Raum von sechs bis acht Quadratmetern als ausreichend erachtet. Für ein beheiztes Zimmer mit natürlicher Belüftung rechnete man mit elf bis zwölf Kubikmetern Luftvolumen pro erwachsener Person. Bei einer üblichen Zimmerhöhe von drei Metern ergab das eine minimale Grundfläche von etwa vier Quadratmetern je Bewohner, damit die Luft ausreichend zirkulieren konnte.
Als bauliches Ideal galt das Cottage- oder Einzelhaus-System, das jedoch für die meisten Betriebe zu teuer war. In der Praxis setzte sich deshalb häufig das isolierte Doppelhaus durch, das als zweckmäßigste Lösung für Arbeiterwohnungen galt. Wo Platz vorhanden war, kam eine Gartenfläche von 150 bis 500 Quadratmetern für Gemüse- und Kartoffelanbau als Ergänzung hinzu.
Wie bauten Unternehmer Wohnsiedlungen für ihre Arbeiter?
Manche Industrielle setzten gezielt auf geräumigere und gesündere Wohnungen für ihre Belegschaft, weil sie sich davon ein ordnungsliebenderes und gesünderes Arbeitergeschlecht versprachen. Im Magdeburger Kreis besaßen 55 von 81 Zuckerfabriken eigene Kasernen und Familienwohnhäuser. Dort gab es 68 Kasernen für rund 30.000 ledige Arbeiter und 200 Familien sowie 102 Familienwohnhäuser für 932 Familien.
In Mülhausen gründete sich 1853 unter Leitung des Fabrikanten Dollfus eine Aktiengesellschaft zur Schaffung von Arbeiterwohnungen, zunächst mit zwölf beteiligten Fabrikanten. Das Aktienkapital von 300.000 Franken wurde durch eine gleich hohe Summe von Napoleon III. verdoppelt. Bis 1862 hatte die Gesellschaft 618 Einfamilienhäuser mit Gärten errichtet.
- In 16 Jahren verkaufte die Mülhauser Gesellschaft 538 Häuser zum Selbstkostenpreis an ihre Arbeiter.
- Der Selbstkostenpreis für ein solches Haus lag zwischen 2.600 und 3.600 Franken.
- Oberschlesien und Saarbrücken: Dort nutzten durchschnittlich 22 bis 25 % der Gesamtbelegschaft reine Schlafhäuser statt eigener Wohnungen.
Was kostete eine eigene Wohnung in Mülhausen?
Nach einer Anzahlung von 300 Franken zahlten Käufer in Mülhausen monatliche Raten von 25 Franken ab, bis das Haus abbezahlt war. Ähnliche Modelle gab es auch in Beaucourt, wo Aktiengesellschaften Arbeiterwohnhäuser bauten und sie nach elf bis fünfzehn Jahren zum Selbstkostenpreis in das Eigentum der Arbeiter überführten.
In Saarbrücker Schlafhäusern zahlten Bewohner im Gegensatz dazu nur rund zwei Mark im Monat für Bett, Überzüge, Heizung, Beleuchtung und Brennmaterial – ein deutlich günstigeres, aber auch deutlich beengteres Wohnmodell als die eigene Familienwohnung.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.








