Berlin: Welterbe-Siedlungen zeigen, wie 140.000 Wohnungen in sieben Jahren entstanden

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Berlin: Welterbe-Siedlungen zeigen, wie 140.000 Wohnungen in sieben Jahren entstanden

Die Waldsiedlung Zehlendorf in Berlin ist von der UNESCO im Juli 2026 in die Welterbeliste aufgenommen worden. Damit zählen nun sieben Welterbe Siedlungen Berlin aus der Epoche der klassischen Moderne, sechs weitere stehen bereits seit 2008 auf der Liste. Die Siedlung umfasst 1.917 Wohneinheiten, davon 809 Einfamilienhäuser.
- Die Waldsiedlung Zehlendorf entstand zwischen 1926 und 1932 nach Plänen von Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolph Salvisberg.
- Unter Stadtbaurat Martin Wagner wurden zwischen 1924 und 1931 rund 140.000 Wohnungen in Berlin gebaut, allein 1928 waren es 28.000.
- 2025 entstanden in Berlin nur 11.000 neue Wohnungen.
- Die Welterbesiedlungen gehören heute teils dem Dax-Konzern Vonovia beziehungsweise dessen Tochter Deutsche Wohnen.
1.917 Wohnungen: Die Waldsiedlung Zehlendorf wird neues Welterbe
Die Waldsiedlung ist flächenmäßig die größte aller Siedlungen der Berliner Moderne. Federführend plante Bruno Taut die Anlage nach dem Leitmotiv Licht, Luft und Sonne, mit offener Architektur inmitten von Grünflächen. Die Mehrfamilienhäuser haben bis zu drei Geschosse, die bunten Fassaden in Gelb, Blau, Grün und Bordeauxrot brachten der Siedlung den Spitznamen „Papageiensiedlung“ ein. Inmitten der Siedlung liegt die Ladenstraße am U-Bahnhof Onkel Toms Hütte – die Verbindung von Einkaufszentrum und Bahnhof galt damals weltweit als einmalig.
Die Bauhaus-Architektur stieß in politisch konservativen Kreisen zunächst auf heftigen Widerstand. Ziel war dennoch, bezahlbaren Wohnraum in gesunder, naturnaher Umgebung zu schaffen.
140.000 Wohnungen in sieben Jahren: Das Vorbild der 1920er Jahre
Die Waldsiedlung Zehlendorf und die benachbarte Hufeisensiedlung mit rund 700 Häusern in fünf Grundtypen und 285 Subtypen entstanden im Zuge eines größeren Bauprogramms. Unter Stadtbaurat Martin Wagner wurden zwischen 1924 und 1931 etwa 140.000 Wohnungen errichtet, 1928 allein 28.000. Möglich wurde dieses Tempo durch die 1924 eingeführte Hauszinssteuer, die Hauseigentümer zahlten, weil sie durch die Hyperinflation zuvor ihre Schulden verloren hatten.
Im Jahr 2025 entstanden in Berlin dagegen nur 11.000 Wohnungen – weniger als die Hälfte des Werts von 1928. Der Immobilienfachmann Ben Buschfeld verweist darauf, dass die Siedlungen der 1920er Jahre für untere und mittlere Einkommensschichten eine gute Wohnsituation schufen. Die Architektin Wiebke Ahues argumentiert, hohe Wohnqualität hänge nicht von der Wohnungsgröße ab, sondern von gut gestalteten Außenräumen.
Vonovia und Deutsche Wohnen: Wem die Welterbesiedlungen heute gehören
Die Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft (Gehag) verantwortete einst den Bau beider Siedlungen. Die Waldsiedlung Zehlendorf gehört heute zum Portfolio des Dax-Konzerns Vonovia.
Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler bezeichnet die Siedlungen der 1920er Jahre als wegweisend für modernes Bauen mit hoher Qualität und einfachen Mitteln. Mit dem in diesem Jahr in Kraft getretenen Berliner Gesetz für einfaches Bauen will die Stadt an dieses Prinzip anknüpfen. Ein Beispiel ist der Modulbau-Komplex der Gewobag an der Landsberger Allee, den der Baukonzern Daiwa mit 1.548 Wohnungen errichtet.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.








